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Fasten

Fasten 2019 – Gott neu begegnen

 

Eine Einführung

„Unsere Fasten- und Gebetszeiten sind in der Tat große Tage. Nie steht des Himmels Tor weiter offen; nie sind unsere Herzen der Herrlichkeit näher als dann.“ Charles H. Spurgeon

Ist das übertrieben? Geistlich irgendwie abgedreht? Oder hat C. Spurgeon etwas entdeckt, dass es sich zu suchen lohnt?

Warum fällt mir eigentlich Verzicht auf mein Lieblingsessen, meine Lieblingsbeschäftigung, auf Konsum so schwer?

In uns wohnt eine große Sehnsucht. Ich konsumiere, weil ich davon mein Lebensglück erwarte. Aber weder das beste Essen, noch die schönste Ablenkung oder neue Anschaffungen werden mir Sinn, Identität, Heimat bieten. Denn Erfüllung hat so gar nichts mit Anfüllen zu tun.

Durch den Propheten Jesaja lässt Gott uns ausrichten: Ihr seid zu schnell zufrieden. Denn ihr gebt euch zu schnell mit Ersatzbefriedigungen ab. Ersatz, der niemals wirklich satt machen kann. So fragt uns Gott leise: „Warum? Warum gibst du dein Geld aus für Dinge, die nicht satt machen?“ (Jesaja 55,1-3)

Ehrlicherweise könnte unsere Antwort so aussehen: „Weil unsere Seele so viel Hunger hat, dass hundert Kleidungstücke im Schrank nicht reichen, dass auf Elektronikgeräten ein Apfel leuchten muss oder dass möglichst viel, möglichst billig gekauft werden muss. Weil unsere Seele so viel Hunger hat, hört sich Verzicht so bedrohlich an.“

Kann das sein, dass unsere Seele so viel Hunger hat, weil wir lange nicht mehr Ausschau gehalten haben nach Jesus? Weil wir lange nicht mehr so nah bei ihm waren, dass wir bereit waren, alles andere loszulassen, wenn wir nur ihn haben?

Gemeinsam möchten wir einen neuen Lebensstil einüben. Nicht als moralische Weiterentwicklung, sondern weil wir eine bessere Alternative gefunden haben. Und von dieser Alternative her möchten wir leben und unser Leben definieren. Es ist der Gott, der mich schon lange gesucht hat.

Der Weg zum Leben geht in beide Richtungen: Verzicht öffnet den Weg zur Begegnung mit Gott, stillt unsere Sehnsucht. Und andersherum: die Begegnung mit Gott öffnet den Weg zum Verzicht.

In den Wochen bis Ostern geht es um:

  • Deine Sehnsüchte. Nicht um einen moralischen Anspruch.
  • Deine Seele. Es ist Deine Seele die satt werden möchte. Es geht nicht um das Ableisten einer frommen Übung.
  • einen Raum. Raum schaffen für die heilsamen Begegnung mit Gott. Es geht nicht darum anderen etwas zu beweisen.

Gehen wir diesen Weg gemeinsam?

Fasten – Warum?

Wer sich im Internet übers Fasten kundig machen will, findet unter dem Stichwort „Fasten“ über 40 Millionen Einträge! Vom Heilfasten und Abnehmen, Fehlern und Mythen beim Fasten, über Radwandern + Fasten bis zur kirchlich traditionellen Fastenzeit reichen die Themen. Fragt man, was die Menschen vom Fasten erwarten, ähneln sich die Antworten: einfacher leben, bewusster werden, achtsamer sein, Energien zurückgewinnen, Leib und Seele reinigen.

Auch in der ganzen Bibel ist Fasten immer wieder ein Thema, z.B. im Zusammenhang von Aufforderungen zur Umkehr (Joel 2,12; Jona 3,4-5); Bitte um Wegweisung und Bewahrung (Esra 8,21-23); bei Krankheit (2. Samuel 12,15-17); bei einem Todesfall (2. Samuel 1,12); Berufung von Mitarbeitern (Apostelgeschichte 13,2+3); Austreibung von Dämonen (Markus 9,28-29).

Interessant ist, dass wir in der Bibel keine Ausführungen finden zu der Frage, warum wir fasten sollen. Entweder wird berichtet, dass Menschen aus verschiedenen Motivationen fasten oder Gott ordnet das Fasten an, wie z.B. am großen Versöhnungstag (3.Mose 16,29).

Fasten hat nichts damit zu tun, dass wir Gott näher kommen können, ihn gnädig stimmen oder dass wir uns bei Gott etwas verdienen. Durch Fasten können wir Gott auch nicht beeindrucken.

In Matthäus 9, 14-15 spricht Jesus von einer neuen Motivation zum Fasten. Jesus spricht davon, dass, wenn er eines Tages weg ist, Fasten eine natürliche Reaktion darauf ist. In der Umgebung von Jesus herrschte Freiheit. Die Jünger haben nicht gefastet, obwohl sie in einem religiösen Umfeld lebten, in dem Fasten zu einer üblichen religiösen Ausübung gehörte. Auch wenn Jesus weg ist, ist Fasten keine Pflicht, sondern Ausdruck, dass er den Jüngern fehlt, Ausdruck der Sehnsucht nach Jesus. Fasten ist kein „Gott-gnädig-stimmen“, kein Ausdruck von „Ich-muss-Buße-tun“, sondern ein Ausdruck von Sehnsucht nach Jesus.

So wie Menschen beim Liebeskummer nicht essen können, so ist das Fasten eine Möglichkeit, mit dieser Sehnsucht nach Jesus umzugehen.

Und Fasten ist auch eine Form, um mein Leben „leerer“ zu machen. Meinen Hunger nach Erfüllung, Trost, Freude, Beruhigung, Gemeinschaft. Diese Sehnsucht nicht mit Nahrung oder Schokolade zu stillen, sondern bewusst diesen Hunger  f ü h l e n und von Jesus stillen lassen. Einen Raum schaffen für die Begegnung mit Gott.

„Der Sinn dieser Enthaltsamkeit besteht darin, für kürzere oder längere Zeit die Bande zu lösen,
die uns an die materielle Welt und an unsere Umgebung knüpfen, um auf diese Weise die ganze Kraft der Seele
auf das Unsichtbare und Ewige zu konzentrieren.” Ole Hallesby, Vom Beten, 2006

Fasten – Wozu?

Warum fasten?

Um Raum zu schaffen für die Begegnung mit Gott.

Aber wozu?

Wie soll dieser frei gewordene Raum gefüllt werden? In welche Richtung zielt das Fasten?

Fasten ist kein Sesam-Öffne-Dich-Code, nichts Magisches! Gott lässt sich nicht durch Fasten manipulieren. Vielmehr gilt: „Fasten verändert nicht Gott, sondern uns!”

Fasten stärkt nicht nur die Gottesbeziehung, sondern unterstützt und intensiviert das Gebet. Die Fixierung auf das, was wir sehen und machen können, wird unterbrochen. Unser Blick wird auf Gottes Welt und seine Möglichkeiten gelenkt.

Darum gehören Fasten und Gebet zusammen. In der Bibel finden wir folgende Zusammenhänge:

1.Fasten im Rahmen der Buße

Im Fasten demütigen sich Menschen vor Gott und finden darin einen Ausdruck echter Umkehr zu Gott (z.B. 1. Könige 21,27).

2.Fasten im Rahmen der Bitte um Wegweisung und Entscheidungsfindung

Im Neuen Testament wird uns davon berichtet, wie Jesus fastet und betet und dann seine Jünger wählt (Lukas 6, 12-13). Auch die ersten Christen fasteten und beteten, um Wegweisung und Klarheit vom Heiligen Geist zu empfangen (Apostelgeschichte 13, 1-3; Apg 14, 23).

3.Fasten im Rahmen der Bitte um Heilung, Wunder & Vollmacht

Nach den erfolglosen Versuchen der Jünger, ein Kind von dämonischer Beeinflussung zu befreien, gebietet Jesus dem Geist, auszufahren. Später fragen die Jünger: „Warum konnten wir das nicht?“ Und Jesus sagt: „Diese Art kann durch nichts ausgetrieben werden außer durch Gebet und Fasten“ (Markus 9,14-29).

Wofür willst Du in der Fastenzeit 2019 bewusst einstehen? Wo willst Du Gottes Handeln erwarten?

Wir schlagen vor, dass Du eine Art Selbstverpflichtung eingehst und für zwei Anliegen ausdauernd und intensiv in diesen vierzig Tagen betest (Fastenbegleiter Seite 13).

Das erste Anliegen ist ein persönliches Anliegen aus dem Leben oder deinem privaten Umfeld.
Das zweite Anliegen weist über dein eigenes Leben hinaus.

Fasten – Wie?

Fasten bedeutet, für eine gewisse Zeit freiwillig auf etwas zu verzichten.

Meist geht es darum, einen (oder mehrere) Tage auf Essen (und Trinken) zu verzichten, aber es gibt auch ein Fasten, bei dem bestimmte Lebensmittel (z.B. Süßigkeiten, Fleisch oder Alkohol) gemieden oder einzelne Mahlzeiten (z.B. Mittagessen, Abendessen oder Frühstück und Mittagessen) ausgelassen werden.

Außerdem ist es möglich, während einer zuvor festgelegten Zeit auf bestimmte Aktivitäten (Fernsehen, Nutzung von Internet/Social Media) zu verzichten.

Ziel ist dabei immer, die gewonnene Zeit im Hören auf Gott oder im Gespräch mit ihm zu verbringen.

Praktische Aspekte:

  • Du kannst allein fasten und in dieser Zeit verstärkt die Stille suchen oder Dich mit anderen zum gemeinsamen Gebet verabreden.
  • Es ist sicher gut, wenn jemand weiß, was Du dir vorgenommen hast und Dich ermutigt und unterstützt (siehe Fastenbegleiter Seite 13).
  • Wer keine Übung im Fasten hat, sollte nicht auf Flüssigkeit verzichten, sondern im Gegenteil viel trinken (Wasser, ungesüßter Tee oder verdünnter Fruchtsaft), sonst drohen starke Kopfschmerzen.
  • Wer schwer körperlich arbeitet oder gesundheitlich beeinträchtigt ist (z.B. Diabetes), sollte allenfalls eingeschränkt fasten und ggf. vorher den Hausarzt um Rat fragen.
  • Und immer dran denken: Niemand muss fasten. Fasten ist keine fromme Leistung, sondern ein Hilfsmittel, um sich besser auf Gott ausrichten zu können.

Zur weiteren Unterstützung bieten wir in der Fastenzeit Gebetszeiten im Raum der Stille an. Im Fastenbegleiter auf Seite 12 findest du die Termine. Der Fastenbegleiter ist unser Begleitheft, solltest Du dieses noch nicht haben, einfach nach dem Gottesdienst an der InfoThek vorbeikommen und ein Heft mitnehmen.

Wir wünschen Dir eine gesegnete Fastenzeit!

SV-Pastorenteam